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06.07.2017

 

Von Jiroft (Iran) nach Bonn

 

Wer einzigartige, iranische, archäologische Kunstschätze erleben möchte, kann das in Iran tun; aber es gibt auch eine andere Möglichkeit: Besuch der Ausstellung „Iran – Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“, bis zum 20. August 2017 in der Kunsthalle Bonn.

 

Archäologisches Museum in Jiroft

Im Innern des Museums

Exponat in Form einer Handtasche

Gefäß

Vase

Stein mit Inschrift

Hinweisschild

Renovierungs-Arbeiten in Old Jiroft

Entdeckung in Teheran

Im Nationalmuseum Teheran gibt es unter den vielen Exponaten der permanenten Ausstellung eine Vitrine mit außergewöhnlichen Objekten. Vor allem Gegenstände aus Speckstein, wie ungewöhnlich geformte und dekorierte Vasen und „Handtaschen“ mit Bügel erregen Aufmerksamkeit. „Die Exponate stammen von Gräberfeldern in Jiroft. Diese Stadt liegt im Südosten des Landes und gehört zur Provinz Kerman. Im Altertum gab es an der Stelle des heutigen Jiroft, das in islamischer Zeit entstand, die großen Städte Decius und Halil Rud. Beide waren etwa 14 ha groß und bildeten eines der wichtigsten Zentren der Zivilisation, insbesondere in der Saljoghian Periode“, erklärt der Museumsguide. „In Jiroft gibt es ein archäologisches Museum, in dem die meisten Funde ausgestellt sind“.

 

Archäologisches Museum Jiroft

Zwei Wochen später stehen wir in Jiroft vor dem Museumsgebäude und tauchen ein in die „Wiege der Zivilisation und der Kunst“. „Die Forschungen in Jiroft sind relativ neu, ein internationales Forscherteam ist hier aktiv. Die Forscher haben Anzeichen dafür gefunden, dass die Jiroft- (oder Halil Rud-) Zivilisation älter ist als die in Mesopotamien. Man fand Schrifttafeln, die nahelegen, dass sich von hier aus die Schrift nach Mesopotamien ausbreitete. Im Museum haben wir sowohl Objekte aus den illegalen Plünderungen als auch aus archäologischen Ausgrabungen in der Gegend um Kenar Sandal, Rig Anba, Delfarad, Esjandghe und weiteren Dörfern in diesem ländlichen Gebiet“, so der Museumsdirektor. In den vielen Vitrinen des Museums sind alle Objekte beschriftet, informative Schrifttafeln in Farsi und Englisch sind ausreichend vorhanden, ebenso wie Fotos der Ausgrabungsstätten. Jahrzehntelang hatten in Jiroft illegale Ausgrabungen stattgefunden. Erst in jüngster Zeit ist es gelungen, diese Objekte für die Präsentation im Museum zusammenzutragen. Hunderte von Objekten aus Speckstein, kunstvoll dekoriert mit kleinen Steinchen aus Türkis und Marmor sind nur ein Teil von Tausenden wertvoller Dinge, die man von den illegalen Ausgrabungen sicherstellen konnte. Die Abgeschiedenheit von Jiroft, umgeben von der Salz-Wüste Lut, der heißesten und trockensten Wüste der Welt, Afghanistan und Pakistan hatte die illegalen Ausgrabungen ermöglicht.

 

Lehrstunden in Archäologie

Aus den Informationen der Schrifttafeln ist zu erfahren: Vor 5000 Jahren war hier das Produktionszentrum der großartigen Kunstobjekte. Sie waren sehr gefragt: im Tal des Indus Flusses, am Euphrat und im Norden der Arabischen Halbinsel. Die einzigartige, künstlerische Qualität zeigt das hohe Niveau der Kultur dieser Gegend im späten 4. Jahrtausend v. Chr. und öffnet eine neue Tür für archäologische Forschungen hinsichtlich ihrer Rolle in der mesopotamischen Zivilisation. Die Objekte umfassen u. a. Gefäße aller Art und Größe sowie ungewöhnlicher Formen, darunter Gegenstände, die Damenhandtaschen mit Bügel ähneln. Welche Funktionen die „Handtaschen“ hatten, ist leider nicht zu erfahren. Bei den wichtigsten Steingravuren geht es um Kampfszenen zwischen Löwen und Tigern einerseits und Riesenschlangen oder Büffeln andererseits. Ein oft wiederkehrendes Motiv sind Adler, die wilde Ziegen angreifen. Fast alle Szenen haben ihre Wurzeln in der Kultur/Religion der damaligen Einwohner. Es gibt darüber hinaus auch Gravuren von Gebäuden, Tempeln und Regierungspalästen. In jedem Fall bestechen die fortschrittliche Technik, Eleganz, Schönheit und die schiere Menge der Objekte. Man hat viele Inschriftentafeln gefunden, die zum größten Teil von den Archäologen entziffert werden konnten.

 

Die alte Stadt und das Heiligtum von Jiroft

Unweit des Museums lohnt der Besuch der alten Stadt Jiroft. Archäologen haben damit begonnen, die Grundmauern auszugraben und zu restaurieren. Das Gelände ist bewacht – im Gegensatz zu der Gegend um das Heiligtum in einigen Kilometern Entfernung. Eine Holztreppe führt zur Kuppel eines Hügels, von dem man die gesamte ländliche Umgebung überblickt. Erst bei einem Rundgang um den Hügel entdeckt man den Ort, an dem besonders viele der archäologischen Objekte gefunden wurden. Auch hier haben Archäologen mit der Restauration einiger Mauern begonnen.

 

Die Ausstellung in der Kunsthalle Bonn

„Vom ewigen Schnee auf den Gipfeln von Alborz und Zagros bis in die Gluthitze der Wüste Lut: Iran ist ein Land der Kontraste, ein Land der Extreme. Doch Wüsten und Gebirge umschließen fruchtbare Täler und üppige Oasen, ökologische Nischen, die seit der Sesshaftwerdung von Menschen bewohnt wurden. Hier entstanden zunächst Dörfer, bald Städte, in denen Handwerk und Handel blühten, schließlich Staaten, deren Namen aus der Korrespondenz und Auseinandersetzung mit Babylonien und später den Griechen überliefert sind.

Hier wurzeln die iranischen Zivilisationen, deren Entwicklung im Aufstieg des achämenidischen Weltreichs gipfelte. Die Berge boten Schutz und Rohstoffe, wilde Tiere und mythische Wesen bevölkerten die Wildnis, bezeugt durch ihre Darstellungen: die Tierkampfszenen auf Steingefäßen aus den erst vor kurzem entdeckten Gräberfeldern von Jiroft im Südostiran, die phantasievolle Malerei auf den Keramikgefäßen aus Susa, die Kampfszenen auf dem Goldbecher von Hasanlu.

 

Die Ausstellung lüftet den Schleier vor den lange Zeit verborgenen Schätzen der iranischen Kulturen der Frühzeit, vom 7. Jahrtausend v. Chr. bis zum Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr., und sie öffnet Perspektiven auf eine in Europa wenig bekannte Bildwelt aus einem über Jahrzehnte verschlossenen Land. Die Schätze aus den Gräbern zweier elamischer Prinzessinnen und die spektakulären Funde aus den Gräberfeldern von Jiroft werden erstmals außerhalb Irans gezeigt“, heißt es im Ausstellungstext der Kunsthalle Bonn. Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit dem National Museum of Iran und der Iranian Cultural Heritage, Handicrafts and Tourism Organization.

 

Wie schwer es ist, Ausstellungen mit Iran zu organisieren zeigt das Beispiel des vor einigen Monaten misslungenen Versuchs, dem iranischen Publikum nicht zugängliche Gemälde der großartigen Sammlung von Farah Diba, die sich im Keller des Museums für zeitgenössische Kunst in Teheran befinden, für eine Ausstellung nach Deutschland (Berlin) zu holen. Offenbar ist die internationale Museumskooperation einfacher, wenn es bei den iranischen Exponaten um Altertümer geht. Auf jeden Fall ist der Kunsthalle Bonn mit dieser Ausstellung eine einmalige und sensationelle Präsentation gelungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Text und Fotos: Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft

 

   

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