























Die syrische Stadt Aleppo ist nach jetzigem Forschungsstand die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt. Durch den Krieg und das Erdbeben von 2023 wurden viele Gebäude schwer beschädigt. Im Rahmen eines Pilotprojekts hat das Museum für Islamische Kunst in den zurückliegenden 1,5 Jahren gemeinsam mit seinem syrischen Partner, der griechisch-orthodoxen Kirche in Aleppo, ein historisches Wohnhaus restauriert: das sogenannte Bait Wakil. Aus dem repräsentativen Hofhaus stammt das sogenannte Aleppo-Zimmer, eines der Highlights in der Sammlung des Museums für Islamische Kunst.
Im Rahmen des Projekts wurden Steinmetze und Maurer vor Ort ausgebildet, um den denkmalgerechten Umgang mit zerstörter Bausubstanz zu lernen und wertvolle Bauornamente wiederherzustellen. Am 16. Oktober 2025 konnte die erste Phase des Restaurierungsprojekts erfolgreich abgeschlossen werden. Das Vorhaben gilt als Modell für den Wiederaufbau weiterer bedeutender Bauten in Aleppo.
In den vergangenen eineinhalb Jahren konzentrierte sich die Arbeit am Bait Wakil auf die Restaurierung dekorativer Fenstergitter und Reliefs, die die Hoffassaden schmücken. Das von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Projekt verband praktische Restaurierung mit gezielter Weiterbildung: Syrische Steinmetze und Maurer erhielten Training, um traditionelle Bautechniken anzuwenden und beschädigte Strukturen fachgerecht wiederherzustellen.
Das repräsentative Bait Wakil in Aleppo ist eng mit dem Museum für Islamische Kunst in Berlin verbunden: Aus diesem Haus stammt die prächtig bemalte hölzerne Wandvertäfelung, das sogenannte Aleppo-Zimmer aus dem Jahr 1600-1603, das heute zu den Höhepunkten der Sammlung des Museums für Islamische Kunst zählt. Während das Aleppo-Zimmer in Berlin über mehrere Jahre restauriert wurde, konnte nun parallel vor Ort die Ausbildung syrischer Handwerker erfolgen.
Syrian Heritage Archive Project
Das Projekt ist Teil des Syrian Heritage Archive Projects (SHAP), das seit 2013 unter Leitung des Museums für Islamische Kunst und des Deutschen Archäologischen Instituts läuft. Die frei zugängliche digitale Datenbank umfasst inzwischen über 300.000 Einträge zum kulturellen Erbe Syriens, davon mehr als 60.000 zu Aleppo. Die Dokumentationen bilden die Grundlage für Forschung, Restaurierung und Wiederaufbau.
Seit 2016 richtet sich ein Schwerpunkt der Arbeit auf Aleppo, dessen einzigartige Altstadt 1986 UNESCO-Welterbe wurde. Aleppo ist nach jetzigem Forschungsstand die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt und war über Jahrhunderte das Tor zur Seidenstraße. Im Krieg und durch das Erdbeben von 2023 schwer beschädigt, stehen viele Bauten vor dem Einsturz. Seit Jahren arbeitet das Museum für Islamische Kunst mit seinem Freundeskreis an vorbereitenden Maßnahmen zum Wiederaufbau. So wurden in den vergangenen Jahren Leitlinien zur Schadensdokumentation und zum Trümmermanagement entwickelt. Darüber hinaus entstanden zentrale Publikationen wie der ‚Aleppo Catalogue‘ und das zweibändige Werk ‚A Culture of Building – Courtyard Houses in the Old City of Aleppo‘ (2023).
„Mit der Restaurierung des Bait Wakil setzen wir ein Zeichen: Aleppos kulturelles Erbe kann wiederaufgebaut werden – Stein für Stein“, betont Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst. „Unser Museum ist seit 125 Jahren mit Aleppo verbunden und hat eine Verantwortung für das kulturelle Erbe hier und dort. Dazu arbeiten wir seit Jahren intensiv zusammen mit syrischen Expert:innen und Freund:innen in Berlin und Aleppo als gemeinsame Aufgabe.“ Dima Dayoub, die syrisch-deutsche Projektleiterin ergänzt: „Von der Archivierung historischer Fotos, über die Dokumentation des Gebäudes bis hin zur Restaurierung vor Ort vereint dieses Pilotprojekt umfassend lokales und internationales Know-how, um voneinander zu lernen und unser gemeinsames Erbe zu bewahren.“ Youssef Ayoub, Trainee im Projekt, betont: „Diese Initiative ermutigt eine neue Generation, dieses Handwerk zu ergreifen - gerade in einer Zeit, in der es beinahe ausgestorben wäre.“
Das Bait Wakil Projekt ist als Pilot gedacht: Das Konzept der kombinierten Restaurierung und Ausbildung kann künftig auch auf andere Gewerke – etwa Holzarbeiten, Steinmosaik oder historische Putze – übertragen werden. Zudem sind ganze Stadtviertel in den Blick zu nehmen. Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt wird derzeit eine umfassende Bestandsaufnahme mithilfe von Drohnen und Vor-Ort-Begehungen vorbereitet, um die Grundlage für einen städtebaulichen Masterplan für Aleppos Altstadt zu schaffen.
Das Projekt wird gefördert von der Gerda Henkel Stiftung, dem Auswärtigen Amt und privaten Spenderinnen und Spendern. Organisiert wird es in Kooperation mit dem Freundeskreis des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V.
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