























Über die jüngsten Ereignisse in Sudan wird gelegentlich sogar in unseren Medien berichtet. Der bekannte sudanesische Journalist Osman Mirghani äußert sich wie folgt zur Lage nach der Einnahme von Al-Fasher in Darfur:
Im Anschluss an die Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung, die die Rapid Support Forces (RSF) in Al-Fasher verübten, nachdem sie die Stadt gestürmt und die sudanesische Armee und ihre Verbündeten zum Rückzug gezwungen hatten, gab es international heftige Verurteilungen. Zahlreiche Berichte und Videos dokumentieren die Verbrechen der RSF. Diese waren vorsätzlich und systematisch: eine fast 500-tägige Belagerung der Stadt, Aushungern der Bevölkerung und Bombardierung mit Drohnen und Artillerie, selbst in Flüchtlingslagern. Es gibt Forderungen, die RSF als terroristische Organisation einzustufen.
Inmitten dieser Massentragödie - Überschwemmungen und der Ausbruch von Cholera kommen hinzu - stößt man auf ein Paradoxon: Trotz ihrer gut dokumentierten Gräueltaten setzen sich einige Akteure weiterhin dafür ein, diesen Kräften einen Platz am Verhandlungstisch einzuräumen. Ob durch eine Teilung Sudans oder durch ein Waffenstillstandsabkommen, das zwangsläufig Zugeständnisse an die RSF und deren Integration in die künftige politische Landschaft mit sich bringen würde – die Legitimierung der RSF wird angesichts der Unzufriedenheit der meisten sudanesischen Bürger problematisch sein. Der Fall von Al-Fasher wird tiefgreifende Auswirkungen auf den Verlauf und Ausgang des Krieges haben. Die Stadt war die letzte verbliebene Hochburg der Armee und der vereinten Streitkräfte in Darfur. Das heißt, die RSF haben faktisch die Kontrolle über die gesamte Region übernommen, die etwa doppelt so groß ist wie Großbritannien. Folglich sind nun Sudans gesamte Westgrenze und die Nachschubwege für ausländische Waffen für die RSF offen.
Mit der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Bara in Nord-Kordofan durch die RSF wird die Bedrohung noch deutlicher: Die Gruppe kann nun die nördlichen Bundesstaaten von Nord-Darfur aus bedrohen und über den Bara-Korridor auch El-Obeid, Omdurman, Khartoum, den Weißen Nil und Al-Jazira. All diese Drohungen waren bereits in einer Rede von RSF-Kommandeur Mohamed Hamdan Dagalo (Hemedti) implizit enthalten, angetrieben entweder von persönlichem Ehrgeiz oder von Plänen ausländischer Akteure. Von Beginn des Krieges an machte Hemedti seine Absichten deutlich. Er und sein Bruder Abdul Rahim erklärten, sie wollten Abdel Fattah al-Burhan, den Oberbefehlshaber der Armee und Vorsitzenden des Souveränen Rates, gefangen nehmen oder töten und planten, die Macht zu ergreifen und die Armee aufzulösen, um sie durch ihre Milizen zu ersetzen.
Es bleibt die Frage: Wird der Sturz von Al-Fasher zu einer Ausweitung des Krieges führen oder zur Abspaltung Darfurs und zur Teilung Sudans? US-Gesandter Massad Boulos deutete in mehreren Interviews, die er Ende Oktober angesichts der rasanten Entwicklungen vor Ort gab, Letzteres an. Andererseits gilt: Darfur ist nicht homogen, und die RSF repräsentieren nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Tatsächlich verachten viele ethnische Gruppen in der Region die RSF und werden die von ihr in mehreren Gebieten begangenen Verbrechen und ethnischen Säuberungen niemals vergessen.
Dennoch lassen sich die Pläne zur Teilung Sudans nicht ignorieren. Sie haben eine lange und gut dokumentierte Geschichte. Ehemalige amerikanische und israelische Beamte haben sie erwähnt und in zahlreichen Studien diskutiert. Angesichts der aktuellen Lage können die sudanesische Armee, die vereinten Streitkräfte und die Darfur-Fraktionen nicht tatenlos zusehen. Sie werden kämpfen, um zu verhindern, dass die RSF und die sie unterstützenden ausländischen Söldner und Mächte die Region vollständig beherrschen und ihre separatistischen Ziele verfolgen, die nur zu noch mehr Gräueltaten, Chaos und Instabilität in Darfur und der gesamten Region führen würden. Inzwischen werden in diesem Bürgerkrieg sogar Drohnen eingesetzt. Ein Ende des Bürgerkriegs ist nicht in Sicht.
Text und Fotos: Benita Zapatera
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