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10.06.2020

 

Wer rettet Jemen - und wann?

 

 

Bab Al Yemen

Blick über Sana'a

Huthi Milizen in Sana'a (SPA)

Karte Stand Juni 2020

Muammar-Al-Eryani (SPA)

KSRelief in Jemen (KSRelief)

Abdallah Al Mouallimi (SPA)

Saudische Minenentschärfer in Jemen (SPA)

Kindersoldat (SPA)

Das ärmste und wohl auch schönste Land der arabischen Welt habe ich 1995-2010 mehr als ein Dutzend Mal bereist - es gab immer wieder kleine Fortschritte. Vor 10 Jahren war ich das letzte Mal in der Hauptstadt Sana’a, die ich besonders intensiv erlebte: Gang durch das Bab Al Yemen, das monumentale Tor mit integrierter Kunstgalerie, die in die UNESCO Weltkulturerbe-Altstadt führt - zu orientalischen Märkten, bewirtschafteten Altstadtgärten, traditionellen Häusern in einzigartiger Architektur. Ich erinnere mich an das Nationalmuseum mit seinen großartigen Exponaten der reichen Kultur und Geschichte Jemens, an die alte Karawanserei mit ihren kommunikativen Kunsthandwerkern, an die große Moschee, in der mir Archäologen ihre Restaurierungsarbeiten erklärten und an Gespräche mit Iris Gerlach, Leiterin des Deutschen Archäologischen Instituts. Wie oft hatte ich vom Dach meines Altstadt-Hotels „Arabia Felix“ den grandiosen Blick über die Stadt mit ihren 100 Minaretten genossen und konnte davon nicht genug bekommen. Nie wieder! Was bleibt, sind einerseits unvergessliche Erinnerungen und andererseits grenzenlose Ohnmacht und immer mehr Fragen.

 

Wohl nirgendwo auf der Welt ist die Situation der bettelarmen, in unmenschlichen Verhältnissen „lebenden“ Bevölkerung aussichtsloser als im Jemen. Die Wirtschaft liegt nicht nur am Boden, sondern „im Keller“. Neben den brutalen Huthi-Milizen toben sich IS, Al Qaida und neuerdings auch die Muslim-Brüder im Land aus. Die Landkarte (rosa: Hadi-Anhänger, hellgrün: Huthis, gelb: Southern Transitional Council, weiß: Al Qaida, grau: IS) ist ein „Flickenteppich“. 17 Länder spielten und spielen verschiedene Rollen auf der jemenitischen Bühne als Statisten, Schurken und „Superhelden“. Es gab selten ein derart komplexes Bild der Lage in einem umkämpften Land. Zur Komplexität tragen die jemenitischen Stämme wesentlich bei. Die international anerkannte Regierung des Jemen ist leider zu schwach, alle Jemeniten zu beschützen. Präsident Hadi befindet sich im sicheren Riyadh. Zu Cholera, Hunger und Elend kommt nun noch Corona hinzu. Angesichts des desolaten Zustands des Gesundheitssystems kann man die gesamte Situation nur als grauenhaftestes Unheil bezeichnen. Fernsehbilder entfachen Entsetzen, das nicht in Worte zu fassen ist. - „Früher wie heute kommt die größte Unterstützung  von Saudi-Arabien“, so Jemens Informationsminister Moammar Al-Eryani und hinsichtlich der Rolle Irans wird er so zitiert:  “Iran is providing nothing but killing, destruction, smuggled weapons, ballistic missiles … and explosive devices that kill Yemenis every day“.

 

Bei einer virtuellen, von Saudi-Arabien und UN organisierten, internationalen Spendensammelaktion am 2. Juni 2020 waren 2,3 Mrd. USD angepeilt, zusammen gekommen sind 1,35 Mrd. Das Geld ist gedacht für die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort, inkl. Medizinprodukte und Nahrungsmittel. Wichtige Persönlichkeiten nahmen an der Videokonferenz teil, darunter der Außenminister von Saudi-Arabien, der UN Generalsekretär und der Supervisor General des King Salman Humanitarian Aid and Relief Centre (KSrelief). Genauer gesagt geht es um die Finanzierung des „2020 Emergency Humanitarian Response Plan“, der die ca. 24,3 Millionen auf Hilfe angewiesenen Jemeniten, die täglich ums Überleben kämpfen, retten soll. Dieser bereits existierende Plan wird angesichts der Pandemie von der UN bis Ende 2020 verlängert. “Für Saudi-Arabien und KSrelief steht Jemen aus humanitärer Sicht an erster Stelle. COVID-19 ist nun die neueste Herausforderung an eine bereits eskalierende Situation. Jemen braucht sehr viel Hilfe, nicht nur wegen des schwachen Gesundheitssystems. Saudi-Arabien wird - in starker Partnerschaft mit den UN auch weiterhin dem Jemenitischen Volk helfen, wie das ununterbrochen seit 2015 geschieht”,  so Dr. Abdullah Al Rabeeah, Supervisor General von KSrelief.

 

Bis heute sind bis zu 70 Prozent der Jemen-Hilfe von Saudi-Arabien via UN erfolgt. Saudi-Arabien hat in der langen Geschichte der Nachbarschaft den Jemen unterstützt. In den letzten fünf Jahren bekam Jemen von Saudi-Arabien ununterbrochen finanzielle Hilfen im Wert von fast 17 Mrd. USD, inkl. Entwicklungshilfe, humanitäre Hilfe, Stützung der Central Bank of Yemen, Unterstützung der etwa 1 Million Jemeniten, die in Saudi-Arabien leben, etc. Im Jahr 2019 war Saudi-Arabien der größte Geldgeber mit 1,25 Mrd. USD, bzw. 31,1 % des gesamten UN-Beitrags. Seit Mai 2015 haben KSrelief und 88 Hilfsorganisationen 474 Projekte in 12 humanitären Bereichen im Wert von 3 Mrd. USD etabliert. Da Jemen eines der fragilsten Gesundheitssysteme der Welt hat, wurde das jemenitische Gesundheitsministerium bei Ausbruch der Pandemie umgehend mit Informationen und Ausrüstung versorgt. (Quelle: Center for International Communication, Ministry of Media, Kingdom of Saudi Arabia).

 

Zum Thema der humanitären Hilfe für den Jemen veröffentlichte die Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien am 5. Juni 2020 die folgenden Informationen: „Mit 2,725 Milliarden US-Dollar unterstützt das Königreich Saudi-Arabien die Menschen im Jemen und steht damit an der Spitze der Geber-Staaten. Das saudi-arabische Engagement verfolgt im Jemen dabei zwei wesentliche Ziele: die Bewahrung des jemenitischen Staates sowie die humanitäre und entwicklungspolitische Unterstützung der Jemeniten. - Der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan betonte: "Die Erhaltung der menschlichen Gesundheit steht an erster Stelle der Prioritäten des Königreichs.“ - Das Königreich versuche alles, Einflüsse zu vermindern, die den Jemeniten Schaden zufügen und die humanitären Leiden vergrößern. Auslöser aus saudischer Sicht sei das iranische Regime. Der Iran unterstützte die Huthi-Rebellen und sei ursächlich für die katastrophale humanitäre Lage wie auch die sicherheits- und wirtschaftspolitische Situation im Land, die in erster Linie mit voller Wucht die Jemeniten treffe. Darüber hinaus gefährden die Huthi-Rebellen die Sicherheit und Stabilität der Region sowie die der Versorgungs- und Handelswege, die wichtig sind für die Bevölkerung“. - Abdallah Al-Mouallimi, der permanente saudische UN-Repräsentant sagte anlässlich der Spendensammelaktion: „The Kingdom provides its humanitarian assistance to all Yemeni people because their suffering does not recognize political disputes”.

 

So lobenswert die Hilfsgelder auch sind, sie reichen nicht und können die katastrophale Lage im Jemen nicht entscheidend lindern, geschweige denn beenden. Außerdem sei die Frage erlaubt, ob die Hilfe bei der desolaten Infrastruktur im Land - trotz guten Willens - wirklich bei der notleidenden Bevölkerung ankommt. Es gibt eine Vielzahl von Fällen, in denen in der Vergangenheit nachweislich Hilfsgüter in großem Umfang von den Huthi-Milizen abgefangen und für eigene Zwecke verbraucht, verkauft oder wegen mangelhafter Lagerung vernichtet wurden. Was Jemen wirklich braucht, um nicht für die nächsten Jahrzehnte in Chaos und Tod zu versinken, ist endlich eine politische Lösung des Konflikts. Die UN bemühen sich darum seit Jahren. Leider, so hört man, seien jedoch sämtliche Vereinbarungen unmittelbar nach Unterzeichnung von den Huthi-Milizen gebrochen worden. Wie lange will die Welt dem  noch zusehen? - Derweil kümmert sich eine Spezialeinheit von KSrelief um die Entfernung von über 1 Million (längst verbotener!) Landminen, die die Huthi-Milizen in den von ihnen kontrollierten Gebieten gelegt haben. Saudische Minenexperten sind vor Ort bzw. haben Jemeniten entsprechend geschult. Hunderte Jemeniten, darunter viele Kinder, sind durch Minen verstümmelt worden oder gestorben. Die Huthis seien für die Minen verantwortlich, um die lokale Bevölkerung zu terrorisieren, indem sie Wege zu Dörfern, Schulen, Brunnen, Farmen, etc. unsicher machen. Von UN und Hilfsorganisationen hört man über die Huthis das Schlimmste: Gehirnwäsche und Ausbildung von Kindersoldaten seit 2017 - angeblich über 30.000 - eine Armee mit Terroristenideologie wie IS.  

 

Text: Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG). Fotos: SPA, KSrelief und Barbara Schumacher, Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG).

 

   

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