























Die Autorin Ulrike Freitag ist Direktorin des Leibniz-Zentrums Moderner Orient und Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie gilt als eine der besten Kennerinnen von Geschichte und Gegenwart der Arabischen Halbinsel.
Saudi-Arabien ist im Westen durch die religiösen Zentren Mekka und Medina und seinen Öl- und Gasreichtum bekannt. Auch politisch und kulturell tritt es immer prägnanter auf die Weltbühne. Besonders in unserem Jahrhundert ist der wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wandel atemberaubend, wie der Verlag schreibt. Prägante Fotos, historisch und von heute, sowie die beiden Karten, „Die Arabische Halbinsel 1915“ und „Saudi-Arabien heute“, untermalen die Texte.
In neun Kapiteln mit zahlreichen Untertiteln zeichnet Ulrike Freitag die Geschichte dieses bedeutenden Landes im Nahen Osten nach. Wobei sie mit der Etablierung des „dritten saudischen Staates“ im 19. Jahrhundert mit Ibn Abd al-Wahhab und dem Emirat der Al Saud beginnt. Gefolgt vom Kampf um die Vorherrschaft in Arabien unter dem Staatsgründer Abd al-Aziz ibn Abd al-Rahman Al Dad (1902-1953). Wie wirken sich der Kalte Krieg und der Panarabismus auf der Arabischen Halbinsel (1953-1975) aus Kapitel 4 nennt sich „Das zerrissene Land: Modernisierung und Islamisierung (1975-1995) mit dem 2. Golfkrieg und den Folgen. Die nächsten gelten dem „Globalen Dschihad und der inneren Stagnation (1990-2005) und Saudi-Arabien unter König Abdallah ibn Abd al-Aziz (2005-2015). – Im 7. Kapitel „Die Etablierung eines neuen Regimes“ wird die „Vision 2030“ - eine umfassende Reform Saudi-Arabiens beschrieben. Darunter war ein ambitioniertes Projekt – The Line, eine 170 km lange, 200 breite und 500 m hohe Bandstadt -, das aber wieder eingestellt wurde. In diese Zeit fällt auch die neue Rolle der Frauen als „sichtbarer Teil der Nation“, denen jetzt größere Rechte gewährt wurden. Die Ausführungen enden mit dem politischen und wirtschaftlichen Verhältnis zu den Nachbarstaaten unter dem Titel „Moderater muslimischer Staat oder rabiater Nachbar?“ Das Ergebnis ihrer Untersuchung fasst sie im Epilog zusammen: „Momentan kann man davon ausgehen, dass Muhammad bin Salman den von Ibn Saud gegründeten „dritten saudischen Staat“ konsequent weiterentwickeln wird, aber nicht im Begriff ist, einen „vierten saudischen Staat“ zu begründen.
Fazit: Ein sehr nützliches Buch, das uns ein besseres Verstehen des Nahen Ostens lehrt.
Helga Walter-Joswig
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