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05.06.2020

 

Republik Sudan - Jahrestag des Massakers

 

 

Premierminister Hamdok (SUNA)

Schlangestehen beim Bäcker

Esel

Kamelreiter

Voller Lastwagen

Schleppen

Proteste

Im sudanesischen Fernsehen erinnerte Premierminister Dr. Abdulla Hamdok an den Jahrestag des Massakers anlässlich des „Sit-in“ in Khartoum am 3. Juni 2019. Seit 20. August 2019 ist der Übergangs-Militärrat an der Macht. Zeichnen sich Veränderungen im Land ab?

 

Ohne Brot, Benzin und Geld

Die Situation der Bevölkerung hat sich eher verschlechtert. Es gibt weiterhin Probleme beim Brotkauf, auch Benzin ist selten verfügbar mit dem Ergebnis kilometerlanger Schlangen vor den Tankstellen. Lange Schlangen bilden sich auch vor den Bankautomaten: die Kunden kommen nicht an das Geld ihres eigenen Bankkontos. Mit anderen Worten: die Missstände, die die Revolution ausgelöst hatten, bestehen fort. Besonders schlimm ist es auf dem Land. Hier ein Transportmittel zu finden, ist besonders schwer. Wohl dem, der einen Esel oder ein Kamel hat, sonst ist Laufen oder Warten am Straßenrand angesagt, um einem der höchst selten vorbeifahrenden, leider völlig überfüllten Lastwagen hinterherzuschauen. Besonders hart trifft es die Frauen, aber die plagen sich seit jeher mit dem Schleppen. In Khartoum gab es am 3. Juni 2020 wieder lautstarke Proteste und eine weithin sichtbare Rauchsäule von angezündeten Autoreifen, mit denen die Demonstranten die fehlende Aufklärung des Massakers anprangerten. Diese ist für die „kommenden Wochen“ angekündigt, wie es von offiziellen Stellen heißt. Auch Hilfsorganisationen und hilfswillige Staaten warten darauf. Man kann nur hoffen, dass der Übergangsregierung bewusst ist, dass sie ohne diese Aufklärung weder das Vertrauen der eigenen Bevölkerung noch das Vertrauen hilfsbereiter Staaten und Organisationen gewinnen kann. Die Sudanese Professionals Association (SPA), die eine tragende Rolle bei der Revolution gespielt hatte, und andere zivile Organisationen mahnen zum wiederholten Mal Reformen an. Sie wollen Bürgerrechte, ein Land ohne Diskriminierung und die Trennung von Staat und Religion.

 

Dramatische Lage der Wirtschaft 

Die Wirtschaftslage ist dramatisch schlecht. Die Inflation betrug im März 2020 über 80 Prozent - mit steigender Tendenz. Die Nationalbank hat begonnen, 1000 SDP-Scheine zu drucken, das dürfte die Inflation noch weiter anheizen, ist die Befürchtung von Finanzexperten, von denen einige sogar schon vom Wirtschafts- und Finanzkollaps des Landes sprechen. Sudan ist reich an Bodenschätzen und hatte immer eine gut organisierte Landwirtschaft und Nutzviehzucht. Letzteres ist derzeit der Bereich, der noch funktioniert, denn wenigstens sorgt die Verschiffung von Lebendvieh nach Saudi-Arabien für regelmäßige Einnahmen. Wegen der langanhaltenden Trockenheit gibt es Befürchtungen, dass die Landwirtschaft, die bisher die Versorgung der Bevölkerung sicherstellte, einbrechen könnte. Das hätte chaotische Folgen - auch für die Viehwirtschaft. - Seit Dezember 2019 wird daran gearbeitet, u. a. die rund vier Milliarden Euro, die der frühere Präsident illegal in Immobilien angelegt hatte, zu kapitalisieren, aber das braucht Zeit. Da die US-Sanktionen, die Sudan als Terrorunterstützer brandmarken, immer noch gelten, traut sich weiterhin kein Investor ins Land, und außerdem erfolgt sämtlicher Geldtransfer nach wie vor mit Bargeld.

 

Schwierige Sicherheitslage 

Die Friedensgespräche mit Süd-Sudan gehen voran, gleichzeitig mehren sich wieder aufflammende Konflikte in den Gebieten von Jebel Marra in Zentral-Darfur, wo sich Rebellen mit Regierungstruppen Gefechte liefern und Südkordofan. Auch in Sennar (Ghadarif) gibt es Kampfhandlungen - offenbar handelt es sich hier allerdings um Stammesfehden. Sowohl in Port Sudan als auch in Khartoum verstärken sich Proteste von Bevölkerungsgruppen wegen Trinkwasserknappheit. Neue Spannungen sind in der Provinz Ghadarif im Grenzgebiet nach Äthiopien entstanden, verursacht durch äthiopische Rebellen, die versucht haben sollen, Wasser vom nahegelegenen Atbara Fluss abzugraben und dazu auf sudanesisches Gebiet vordrangen. Dabei kam ein sudanesischer Soldat ums Leben, zwei wurden verletzt. Die Situation hat sich nach sudanesischen Protesten derzeit beruhigt, aber die Sicherheitskräfte sind an der Grenze verstärkt worden. Erst im März 2019 hatten sich beide Länder über spezielle Grenzsicherungsmaßnahmen verständigt, um Grenzkriminalität zu unterbinden, aber das ist nicht einfach angesichts einer Grenzlänge von 1.600 km. Außerdem ist der Grenzverlauf Grund zu Streitigkeiten, weil entgegen früherer Abkommen noch immer äthiopische Farmer in der Provinz Ghadarif ihre Farmen auf sudanesischem Gebiet bewirtschaften. Da bisher keine Vereinbarung hinsichtlich der Grenzmarkierung getroffen werden konnte, sind in der Grenzregion nun neben sudanesischen und äthiopischen Farmern auch sudanesisches Militär und bewaffnete äthiopische Rebellen anzutreffen, die angeblich von der Regierung der äthiopischen Provinz Amhara unterstützt werden. Diese Situation trägt dazu bei, die diplomatischen Spannungen zwischen beiden Ländern zu verschärfen, denn eine andere „Baustelle“ ist der neue, in Äthiopien fertiggestellte Nil-Damm GERD (Grand Ethiopian Renaissance Dam), mit dessen Füllung im Juli 2020 begonnen werden soll. Leider konnte Anfang des Jahres bei von den USA gesponserten Gesprächen zwischen den betroffenen Ländern Äthiopien, Sudan und Ägypten keine Vereinbarung erzielt werden. Während der Damm für Äthiopien ein Stützpfeiler seiner Wirtschaftswachstumsstrategie ist, hat Sudan Bedenken wegen der potenziellen negativen Auswirkungen des Damms auf seine so lebenswichtige Produktion in der Landwirtschaft. Die Spannungen reichen bis Ägypten und die EU ist als Mediator im Gespräch.

 

Pandemie im Vormarsch

Inzwischen hat Corona auch Sudan erreicht. Die Zahlen der Infizierten sind zwar noch relativ gering vor dem Hintergrund der Fläche (4mal so groß wie Deutschland) bei 45 Mio. Einwohnern des Landes, aber angesichts gewaltiger Probleme, bei der medizinischen Versorgung muss Schlimmes befürchtet werden. Die gute Nachricht ist, dass einige Länder bereits mit dringendst benötigten Hilfslieferungen begonnen haben. Man kann nur hoffen, dass Terrorgruppen wie IS, Al Qaida aber auch die Muslim-Brüder die Situation nicht ausnutzen. Die Angst vor Terror war jahrelang der einzige Grund des größten Teils der von der früheren Regierung ausgepressten, armen Bevölkerung, sich mit dem Bashir-Regime abzufinden, denn immerhin hatte dieses Regime mit einem perfekt aufgestellten Sicherheitsapparat für sehr geschätzte Ruhe, Ordnung und Sicherheit gesorgt. Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen steht die Übergangsregierung allein vor gewaltigen Aufgaben.

 

Interview mit Premierminister Abdalla Hamdok - 05. Juni 2020

Veröffentlicht in Asharq Al-Awsat, saudische Tageszeitung, publiziert in London, siehe hier

 

Text und Fotos (1 von SUNA): Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)

 

Files:
Interview_mit_Premierminister_Abdalla_Hamdok.docx14.4 K

   

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