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07.02.2019

 

Marokko: Malerei und Poesie in der Medina von Casablanca

 

Schon seit November 2013 bemühen sich das marokkanische Kulturministerium und weitere kulturpolitische Institutionen darum, dass Casablanca in die Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten aufgenommen wird.

 

Bahija vor ihrem Haus

Haiku Gemälde

Gemälde noch ohne Haiku

Noureddine hat Haiku integriert

Bahija

Gemälde

Bahija und Noureddine

Plakat

Damit dies tatsächlich erfolgt, sind verschiedene Bedingungen zu erfüllen, wie z.B. laufende Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten. Die gesamte Stadt besticht durch die Vielfalt der Architektur und besonderes Augenmerk richtet sich auf die seit vielen hundert Jahren bewohnte Medina, die im 18. Jh. wieder aufgebaut worden war. In einer vom Kulturministerium organisierten Pressekonferenz am 14. Februar 2019 will man den Medien die bisherigen Bemühungen vorstellen und die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Institutionen, nämlich neben dem Kulturministerium selbst, verschieden weiteren Ministerien und der Stadt Casablanca erläutern.

 

Lage der Medina

Die Medina erstreckt sich quasi zu Füßen der berühmten Hassan II Moschee (Süden), der modernen Hotels, Geschäfte und Banken an der Avenue FAR (Osten) und entlang des Hafens (Westen). Dort ist eine moderne Marina im Bau, das Marina Shopping Center ist fertig. Die Altstadt gehört zum „Patrimoine National“. Sie wird beherrscht von engen Gassen und kleinen, 1-2-stöckigen Häusern, meist seit Jahrhunderten in Privatbesitz, in denen kleine Läden und Handwerksbetriebe untergebracht sind. Hier kennt jeder jeden und Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben. Den typischen Maghreb-Stil kann man u.a. in der Rue d’Essaouira bewundern: die vorstehenden „Veranden“ werden von hölzernen Stützbalken gehalten, wie man das z. B. von der Architektur vieler Häuser in der Kasbah von Algier kennt. Einige Häuser sind bereits renoviert, wie auch die zahlreichen Moscheen mit Minaretten im Stil der „großen Schwester“, der Koutoubia-Moschee in Marrakech. In der Medina stehen die renovierten Gebäude von Moschee, Kirche (jetzt beliebtes Kulturzentrum) und Synagoge (ebenfalls für Besucher geöffnet) in unmittelbarer Nachbarschaft. Für die Renovierung und Nutzung der Synagoge hat sich in besonderem Maße André Azoulay, der langjährige Berater des marokkanischen Königs - selbst Jude - eingesetzt.

 

Sonntag in der Medina

In Marokko ist Samstag/Sonntag Wochenende. Am späten Vormittag des Sonntags zieht es viele Kunden in den hinter dem großen Uhrturm liegenden Teil der Medina, der den mit einer neuen, lichten Holzkonstruktion überdachten Souk beherbergt. Hier ist zu überaus günstigen Preisen alles zu haben: von traditionellem Kunsthandwerk, alten Büchern und Gemälden bis zu landestypischen Textilien. Ein langes Kleid für festliche Gelegenheiten mit vielen Applikationen geschmückt, kostet z. B. 50 Dirham (5 Euro). In Geschäften und Restaurants ist der Euro gern gesehen. Zum Mittagessen zieht es viele Einheimische und zunehmend ausländische Besucher in das Restaurant Scala - man kann drinnen in traditionellen Räumen der Festung (in die Stadtmauer integriert) speisen oder im mit Orangenbäumen bestandenen Patio, in dem ein Springbrunnen plätschert. Eine weitere Option bietet in unmittelbarer Nähe das berühmte Rick’s Café, in dem allerdings weder Humphrey Bogart noch Ingrid Bergmann jemals zu Gast waren. Durch den legendären Film „Casablanca“ (der komplett in Hollywood gedreht wurde) hat dieses Restaurant einen solchen Bekanntheitsgrad erreicht, dass man bei der Planung für die Gestaltung des nahe gelegenen großen Parks mit uralten Bäumen genügend Raum für die parkenden Touristenbusse eingeplant hat. Jahrelang haben ausländische Besucher sich auf den Besuch der Hassan II-Moschee und den Besuch von Rick’s Café konzentriert. Lange Zeit galt die Medina, vor allem nachts, als gefährlich - wegen der Rauschgifthändler. Die Gefahr ist Geschichte und Besucher erobern mehr und mehr die engen Gassen, die vom Park aus in die Medina führen.

 

Mutiger Kampf für den Erhalt ihres traditionellen Hauses  

Folgt man einer verwinkelten, sehr schmalen Gasse, trifft man auf bemalte Hauswände. Hier ist das Viertel, in dem Bahija Abdouelali wohnt. In einer großen Aktion hat sie vor einigen Jahren ihre Nachbarn und deren Kinder dafür begeistert, die Häuserwände zu bemalen - unter ihrer Anleitung. Im Haus ihrer Familie wurde sie geboren, inzwischen ist es zu einem Haus der Kunst avanciert - allerdings täglich durch Abriss bedroht. „Hinter meinem Haus wurde vor einigen Monaten das Nachbarhaus abgerissen. Die Abrissarbeiten haben meinem Haus so viel Schaden zugefügt, dass die Treppe, die zu meiner Dachterrasse führt, nicht mehr begehbar ist. Außerdem mussten einige tragende Wände mit Metallstützen abgestützt werden“, erzählt sie bei meinem dritten Besuch im Januar 2019. Wir kennen uns seit einigen Jahren und haben den Kontakt ständig gehalten. Ihr Kampf gegen den Abriss des Hauses dauert seit dieser Zeit an und sie steht weitgehend allein. Die frühere Lehrerin ist als Künstlerin tätig, organisiert Präsentationen ihrer Werke und lädt auch zu Ausstellungen in ihr Haus ein, dessen Wände mit ihren großformatigen Gemälden voller traditioneller Elemente und Symbolik geschmückt sind. Neben der Hauswand sind auch einige Wände im Haus und die Wände der Treppenaufgänge bemalt. „Ich habe jetzt Hoffnung bezgl. der Rettung meines Hauses geschöpft - aus zwei Gründen: Erstens die wieder aufgenommenen Bemühungen für die UNESCO-Ernennung und zweitens meine Kooperation mit dem berühmten Dichter, Schriftsteller und Übersetzer Noureddine Dirar. Die Kooperation sieht so aus, dass er einen Teil meiner neuen Gemälde mit Kalligrafie ergänzt, dabei handelt es sich um „Haiku“, das ist eine ganz spezielle Gedichtform, die sich durch wenige, ganz kurze Gedichtzeilen mit einer starken Botschaft zum Thema der Vergänglichkeit auszeichnet. Im Dezember 2018 hatten wir unseren ersten gemeinsamen Auftritt im Rahmen des „Haiku Festivals“, das jährlich drei Tage lang in der renovierten Kirche der Medina, die heute als Kunstzentrum der Medina fungiert, stattfindet. Bei diesem Festival hatten wir neue Haiku Gemälde ausgestellt. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Hilfe der Malerei und der Poesie die marokkanische Kunst- und Kulturszene zu bereichern. Man könnte uns als das „Haiku-Paar“ bezeichnen. Die Harmonie zwischen Poesie und Malerei hat eine lange Tradition“. Sie zitiert ein Beispiel der Haiku Poesie:  

„The night killers 

Hate my grave

With window 

And a light of lantern."  

Vielleicht trägt auch ihre Petition an den marokkanischen König, das Haus zu retten, Früchte. Neben dem Hauseingang steht seit einigen Monaten ein 2 m großes Schild mit einem entsprechenden Hinweis neben dem Foto des Monarchen. Bewundernswert sind ihre Energie und ihre Kreativität: Auch die Medien sind auf das neue „Haiku-Paar“ aufmerksam geworden.

 

Text und Fotos: Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft

 

 

   

< Leserbrief zu BDS, "Hauptsache, dagegen", SZ vom 28.01.2019, Seite 9