























Eine spektakuläre Eröffnung erregt internationale Aufmerksamkeit. In Libyen sieht man sie als Zeichen für die Stabilisierung des Landes, auf jeden Fall betrachtet man sie als wichtigen Schritt zur Darstellung gegenüber dem Ausland und hofft, damit die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene und sogar den Kulturtourismus wiederzubeleben.
Seit dem Bürgerkrieg 2011 war das Museum 14 Jahre lang geschlossen - wegen der Unruhen und Schäden am Bau. Nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten hat das Nationalmuseum nun wieder seinen alten Glanz zurückerhalten - an seinem ursprünglichen, zentralen Platz: es ist untergebracht in der Burg Assaray Al-Hamra (= rote Burg) an der Nord-Ost Seite der Altstadt, direkt am Hafen und am Märtyrerplatz in Tripolis. Die Burg sorgte für Schutz gegen Land- und See-Invasionen. Sie wurde in osmanischer Zeit an der Stelle eines römischen Tempels gebaut - Fundstücke wie Säulen datieren aus dem 1. Jahrhundert und sind im Innenhof ausgestellt. Erstaunlich ist, dass diese Burg alle politischen und kulturellen Epochen überdauerte. Die Gesamtfläche der Burg beträgt 13.000 qm, die Musemsexponate sind auf einer Fläche von 10.000 qm untergebracht. Die Länge der Fassaden: Nord-Ost Fassade 115 m, Nord-West Fassade 95 m, Süd-West Fassade: 130 m und Süd-Ost Fassade 140 m. Maximale Höhe: 21 m. Die Burg blickt auf eine reiche Geschichte zurück und erlebte einige bauliche Veränderungen entsprechend den Wünschen der jeweiligen Herrscher. Sie war zuletzt Residenz von König Idriss, bis Gaddafi sie als Volkspalast nutzte. Als Museum dient sie seit 1946. Sie ist bis heute das markanteste Gebäude von Tripolis.
Die Ausstellungsräume sind mit moderner Museumstechnologie ausgestattet und zeigen Exponate hervorragender Qualität. Die archäologischen Museumssammlungen stammen aus verschiedenen Epochen der wechselvollen libyschen Geschichte, von prähistorischer über die punisch-phönizischen, griechischen und römischen Phasen Libyens bis hin zu byzantinischen, berberischen, islamischen und mediterranen Einflüssen und der Moderne. - Großen Raum nehmen die Exponate der griechisch-römischen Epoche ein. Mosaiken und Statuen, die in den römischen UNESCO Welterbestätten Sabratha bzw. Leptis Magna gefunden wurden, befinden sich zu Füßen monumentaler Fotos dieser berühmten archäologischen Stätten bzw. an den benachbarten Wänden. Auch die islamische Kunst ist gut vertreten. Die Exponate spiegeln daher die kulturelle Entwicklung der Region wider. Besucher können sehen, wie unterschiedliche Kulturen und Handelsrouten das Erscheinungsbild dieser Artefakte geprägt haben. Bemerkenswert ist auch die Präsentation der Exponate - oft in großen Vitrinen und ausführlich beschriftet in Arabisch und Englisch. Zu sehen ist sogar die älteste Mumie Afrikas. - In der ethnografischen Abteilung werden lebensechte Szenen mit lebensgroßen Puppen in traditioneller Kleidung dargestellt. Die Braut sieht aus wie echt und Silber-Schmuck, traditionelle Lederarbeiten und Musikinstrumente sind genauso zu bestaunen wie eine Szene in der Wüste mit Zelt, handgewebten Decken und Feuerstelle mit Kochutensilien. Auch der Tuareg und ihren Traditionen wird gedacht, wobei die für sie typischen, traditionellen Lederarbeiten im Vordergrund stehen.
An der offiziellen Eröffnungszeremonie am 12. Dezember 2025 nahmen u. a. hochrangige Staatsbeamte, Diplomaten, prominente Künstler und Medienvertreter aus der arabischen Welt teil, wie von der Regierung der Nationalen Einheit verlautet. Renovierung und Eröffnung weiterer Museen des Landes wurden angekündigt - trotz angespannter Lage im Land.
Text und Fotos: Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)
< KSA: Ergebnis der neunten Future Investment Initiative Konferenz FII 9