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30.06.2020

 

Saudi-Arabien: Seit 2 Jahren dürfen Frauen Auto fahren

 

 

Frau am Steuer

Verkehr in Riyadh

Reema Juffali (SPA)

Najla Al Saleem

Fahrerin bei Uber

Das Königreich war das letzte Land der Welt, in dem Frauen das Autofahren verboten war. Als am 24. Juni 2018 das fast 30 Jahre lange Autofahrverbot für Frauen zu Ende ging, war die Freude groß, die Kommentatoren in den saudischen Medien hatten tagelang nur ein Thema und das Leben vieler Frauen änderte sich grundlegend in rasanter Geschwindigkeit, denn die Fahrschulen waren auf den Ansturm vorbereitet.

Den revolutionären Wandel haben die Frauen dem Kronprinzen zu verdanken - wie so vieles andere im Bereich der neuen Rechte für Frauen auch. Lange Zeit hatten sie sich die absurdesten Theorien über die Schädlichkeit des Autofahrens von Seiten der erzkonservativen Wahhabiten angehört, sich geduldig und höchst diplomatisch gefügt, den Führerschein im Ausland gemacht oder die Bequemlichkeit/Unzuverlässigkeit männlicher Fahrer genossen/ertragen. Über die Tatsache, dass selbst saudische Pilotinnen zwar Flugzeuge, aber keine Autos steuern durften, hatte man nur Kopfschütteln übrig. In den ersten Monaten waren neben den fahrwilligen Frauen auch Fahrschulen, Autoverkäufer und Autovermieter die großen Gewinner. Spontan wurden Autoclubs für weibliche Mitglieder gegründet. Dass Frauen sich sogar für Autorennen begeistern, zeigen die vielen Zuschauerinnen. Reema Juffali aus Jeddah war die erste saudische Frau, die am 22./23. November 2019 am Formula E Rennen in Diriyah teilnahm. Die Erfahrungsberichte in den Medien nach dem 24. Juni 2018 waren durchweg positiv, denn selbstverständlich trat nichts von den prophezeiten Katastrophen ein: Die Frauen erlitten weder gesundheitliche noch mentale Schäden und im Straßenverkehr wurden sie von männlichen Autofahrern weder verfolgt noch bedrängt - im Gegenteil, eine Frau am Steuer ist selbstverständlich und „Mann“ übt sich in Höflichkeit. Ich habe das als Beifahrerin von saudischen Freundinnen im Verkehrsgewühl von Riyadh und Jeddah selbst erlebt.

Eine von ihnen, die bekannte Künstlerin Najwa Al Saleem, lud mich zu einer Kunstgalerien-Tour ein. Einen ganzen Tag lang fuhren wir kreuz und quer durch Riyadh und besuchten fünf grundverschiedene Galerien, wobei wir noch das Glück hatten, einer Kunst-Vernissage beizuwohnen. „Ich hatte meinen Führerschein bereits während meines Studiums in den USA gemacht und bin auch in USA viel gefahren. Um den saudischen Führerschein zu bekommen, musste ich lediglich eine kurze Prüfung machen, eine „pro-forma“- Sache, die schnell und problemlos erledigt war. Ich war sehr froh über die Aufhebung des Fahrverbots. Mein Leben als spontaner Mensch mit saudischem Führerschein ist viel unkomplizierter geworden und die Unabhängigkeit erleichtert meine Arbeit sehr“, erzählte sie während der Fahrt. Auf meine Frage, was sie von den Demonstrationen im Vorfeld hielt, meinte sie: „Ich hatte dafür voller Verständnis, denn ich wusste ja, wie nützlich es ist, selbst zu entscheiden, wann man wohin fahren will. Für die Demonstrationen in der Zeit zwischen der Ankündigung von Kronprinz Mohammed bin Salman bis zur tatsächlichen Aufhebung des Fahrverbots (24.06.2018) hatte ich jedoch kein Verständnis, schließlich gab es nicht das geringste Anzeichen dafür, dass der Kronprinz sein Wort nicht halten würde“. In den großen Städten ist allerdings heutzutage ein Fahrer oft immer noch das Mittel der Wahl, denn es gibt zu viele Autos in dichtem Verkehr und viel zu wenig Parkplätze.

Viele der jetzt am Steuer sitzenden Frauen - in der Mehrzahl gehören sie der jüngeren Generation an - wurden durch den Führerschein erstmals in die Lage versetzt, überhaupt einem Beruf nachzugehen, womit sie einen wichtigen Punkt der Vision 2030 des Kronprinzen erfüllen, denn Frauen sollen genauso am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilnehmen wie Männer. Mobilität ist dabei „conditio sine qua non“. Einerseits hilft die Diversifizierung der Wirtschaft bei der Förderung der Frauen und andererseits bringt die Frauenförderung den notwendigen Wandel, vor allem, wenn Frauen in Führungspositionen sind. „Ohne Führerschein hätte ich meinen jetzigen Beruf nicht gefunden“, meint Aisha Al Dowan. „Ich bin unabhängig und brauche keinen Fahrer, wenn ich irgendwohin fahren möchte. Diese Freiheit ist mir viel wert. Ich bin mit dem Fahrverbot aufgewachsen. Meine Mutter hatte mich ermutigt, den Führerschein zu machen. Zuerst war ich zögerlich, aber dann hat sie mich überzeugt, Fahrstunden zu nehmen und heute bin ich froh, dass ich ihrem Rat gefolgt bin. Mein nächstes Ziel ist, unser altes Auto durch ein Neues zu ersetzen“.

Sogar beim in Saudi-Arabien sehr beliebten und allgegenwärtigen Fahrdienst Uber sind inzwischen Fahrerinnen beschäftigt. Um noch mehr Frauen für diesen Job anzuheuern, hat Uber eine Studie anfertigen lassen, deren Ergebnis war, dass 74 Prozent der Bewerberinnen am liebsten Frauen transportieren. Also ist es nun seit einiger Zeit möglich, schon bei der Bestellung per App die Option “Women Preferred View” anzugeben. „Wir haben uns mit der Studie viel Zeit genommen und wollten den Wünschen unserer Fahrerinnen selbstverständlich entgegen kommen. Diese Option gibt es nur in Saudi-Arabien“, so Tino Waked, General Manager von Uber Middle East and North Africa. „Unser Ziel ist es, mit dieser Initiative die Frauen im Hinblick auf ihre aktive Teilnahme am Wirtschaftsleben zu fördern und es geht uns darum, einerseits Frauen attraktive Jobs anzubieten und andererseits bezahlbare und sichere Transportmöglichkeiten für die Frauen zur Verfügung zu stellen“.

Auch an einigen Universitäten des Königreichs gibt es Untersuchungen zu diesem Thema. Die Ergebnisse sind durchweg positiv: „Der Anblick Auto fahrender Frauen führt bei vielen Männern zu einer Abnahme abweisender Haltung gegenüber Frauen. Die Position der saudischen Frauen ist gestärkt, ihr Selbstbewusstsein ist gestiegen und sie können ihre Kreativität nun viel besser in konkrete Projekte umsetzen - sowohl privat als auch beruflich. Davon profitiert die saudische Gesellschaft, und das ist ganz im Sinne der Vision 2030.“

Text und Fotos: Barbara Schumacher, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)

 

 

   

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